Der Anfang und das Ende der Metapher

Hüh, Seepferdchen!

Atme 

Vertrauen in den Tag!

~

Das Einpflanzen des Garten Eden

Die Leere ist Erinnerung an etwas, 

was sein könnte oder der Wunsch ihrer Erfüllung.

Das Vorhandensein einer Abwesenheit,

bunt und breit.

 

Das Nichts ist düster, von der Größe her ungewiß,

eine Einladung, es zu bewohnen.

 

Die Null ist die Mitte der Waage,

der Minus- und Plus-Räume.

Ein Anfang, der immer da war,

und ein Ende, nur falls es akzeptiert wird.

 

Das Kind legt einen Kirschkern

zu jeder Rose, legt die ganze Kirsche

zu der Rosenbeere mit den Samen - 

dann gießt es sie.

 

Wie schön ist dieser Kupferbehälter

zum Füllen,

und auch diese Luft, und diese Erde

in den Comenius-Gärten. 

~

Eine Hand voll Wasser

Die Sprache ist wie Wasser.
Beim Halten verliert man sie,
im Fließen hat sie Bestand.

deutsche Gedichte

26. Lyrikband der Zeitzeichen-Reihe
herausgegeben von Paul Alfred Kleinert
Aschersleben: Unartig Verlag, 2008
Mit einem Autorenporträt von Lothar Deus

Gedichte aus diesem Band inspirierten die Graffiti-Aktion Taufe von Atem, Gedichte aus der Spraydose Wettbewerb in Berlin im Juli 2008 und das kammermusikalische Stück Waldquelle von Wladimir Iliew, Konzert im Wassertum Halle, Oktober 2008

Tzveta Sofronieva

 

lebt nach Aufenthalten an mehreren Orten der Welt als freie Autorin überwiegend in Berlin und schreibt auf Deutsch, Bulgarisch und Englisch Gedichte, Prosa und TheatertexteLiteraturinstallationen, Essays und wissenschaftliche Artikel, veröffentlicht in mehreren Sprachen, übersetzt Poesie, initiiert und entwickelt interkulturelle Netzwerke und Herausgaben.

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Konzert

Wasser. Atem holen. Kann nicht geholt werden.

Hauch, Wellen, Violine.

Klänge. Können nicht getrunken und geatmet werden.

Kleben im Haar. Tiefe Männerstimme.

Provokation, die Erinnerung an die Bretagne,

wo ich nie war.

Tropfen auf den Schultern zweier Frauen, Wasser,

ihre Haut, Babyhaut, Greisinnenhaut,

weibliche Haut. Du solltest in mir sein.

Die Sehnsucht nach der Küste der Bretagne,

wo sie diese Musik schrieb, der Sand und du in mir,

deine Lieder in meinem Haar, fließt in die Augen über,

Klänge wie die der Mutter, der Großmutter, Sehnsucht –

eine banale Verflechtung aus Geige und Gewebtem,

ein Webstuhl aus Saiten, schwebt über dem Wasser der Bretagne,

dort, auf der Grenze zwischen Wasser und Nebel,

ist jeder Zufall ausgeschlossen. Wie damals,

als ich dort war – ein Kind mit einer Violine,

ich konnte spielen und malen.

Deine Augen waren voller Klänge.

Sie spielt Violine, und ich erinnere mich 

an die Bretagne, wo ich nie war.

 

Ihr Kleid ist weiß und silbern.

Die Menschen klatschen.

~